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Heilige Drei Könige06. Januar 2021

Mit dem heutigen Tag, dem Dreikönigstag, endet der virtuelle Adventskalender der Kombüse. Diejenigen, die die Einträge verfolgt haben, hatten hoffentlich ihre Freude daran.
Allen FreundInnen und UnterstützerInnen der Kombüse 53° Nord ein gutes, gesundes und hoffentlich bald auch wieder gemeinsames Jahr 2021!

04. Januar 2021

Ich habe immer geglaubt, das Leben sei eine Einladung mit Tischkärtchen. Als müsste man sich, schon aus Gründen der Höflichkeit, auf den Stuhl setzen, der einem zugewiesen wird, auch wenn es am anderen Ende des Tisches viel lebhafter zugeht.
Ich möchte Ihnen sagen: Das ist ein Irrtum. Es ist eine Einladung mit freier Platzwahl.

aus “Die Herrenausstatterin” von Mariana Leky

02. Januar 2021

Die neue Zeit

Ich nenne mich glücklich, denn ich bin Teil einer neuen Zeit,
denn ich habe erkannt, wie wichtig es ist, dass ich lebe,
dass du lebst, dass alle wir leben,
dass meine Hand sich mit anderen Händen verschränkt,
mein Lied sich vereint mit anderen Liedern.

Denn meine Aufgabe habe ich erkannt, Schöpfer zu sein,
Gestalterin meiner Zeit, die unsere Zeit ist,
ich will auf die Straßen gehen, aufs Land,
in die Villen und in die Hütten,
will die Trägen aufrütteln und die Tagediebe
und die, die das Leben verfluchen und die schlechten Geschäfte,
und die, die vor Zahlenreihen die Sonne nicht mehr erblicken,
die Ungläubigen, die Verzweifelten, solche, die die Hoffnung verloren haben,
solche, die lachen und singen und mit Zuversicht sprechen,
ich will sie alle ins Morgenlicht tagen,
damit sie das Leben erkennen, wie es dahinzieht
schmerzhaft, herausfordernd, schön,
das Leben, das uns erwartet nach jedem Sonnenuntergang-
letztes Zeugnis eines für immer entschwindenden Tages,
der die Zeit verlässt und niemals zurückkehrt.

Gioconda Belli

30. Dezember 2020

Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben;
dass du weißt, was der Wind will,
eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
laß deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gib dich, gib nach,
er wird dich lieben und wiegen.

Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie eine Federkleid
über die sinnenden Dinge.

Rainer Maria Rilke

28. Dezember 2020

Dezember

Er ist der letzte von zwölf Brüdern,
Des Jahres Pforte schließt er zu.
Was du gewonnen hast an Gütern
Und was verloren, zähle du!
Doch wäge strenger und besonnen,
Und schließ genaue Rechnung ab,
Was du an Weisheit hast gewonnen,
Und was an Torheit sich ergab.

Heinrich Hoffmann (1809-1894)

2. Weihnachtsfeiertag26. Dezember 2020

Weihnachtsspiel

Weihnachten
Vorweihnachten
Vorbei-Weihnachten
bei nacht
beinahe nacht
nachten
umnachten
vernachten
verachten
gib acht bei nacht
Nächte
Nächste
wer ist der nächste
wer ist mein Nächster
bei Nacht, an Weihnacht

Helga Poppe

Heiligabend24. Dezember 2020

Und das nicht nur zur Weihnachtszeit

Wer nach Bethlehem
fliegen will
und wer meint
dort ist auf jeden Fall
der Frieden billig zu kriegen
der sollte woanders hin fliegen.

Wer nach Bethlehem
reisen will
zu dem Sohn
und wer glaubt
dort ist die Endstation
mit Vollpension für die Seelen
der sollte was anderes wählen.

Wer nach Bethlehem
gehen will
zu dem Kind
und wer weiß
daß dort der Weg beginnt
ein jedes Kind nur zu lieben
der könnte es heute schon üben.

Hildegard Wohlgemuth

22. Dezember 2020

Alles ist gut

Wenn das Notwendige getan
und das Überflüssige verworfen,
wenn das Zuviel verschenkt
und das Zuwenig verschmerzt ist,
wenn alle Irrtümer aufgebraucht sind,
kann das Fest des Lebens beginnen.

Wolfgang Poeplau

20. Dezember 20204. Advent

Vier Kerzen

Eine Kerze für den Frieden, weil der Streit nicht wirklich ruht.
Für den Tag voll Traurigkeiten, eine Kerze für den Mut.
Eine Kerze für die Hoffnung gegen Angst und Herzensot,
wenn Verzagtsein uns’ren Glauben heimlich zu erschüttern droht.
Eine Kerze, die noch bliebe, als die wichtigste der Welt;
eine Kerze für die Liebe, weil nur diese wirklich zählt.

Eduard Mörike

18. Dezember 2020

Werte

Die guten Dinge des Lebens
sind alle kostenlos:
die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
das Leben für teuer zu halten,
wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
Das kommt vom frühen Erkalten.
Wir genossen nur damals als Kind
die Luft nach ihrem Werte
und Wasser als Lebensgewinn,
und Liebe, die unbegehrte,
nahmen wir herzleicht hin.
Nur selten noch atmen wir richtig
und atmen die Zeit mit ein
wir leben eilig und wichtig
und trinken statt Wasser Wein.
Und aus der Liebe machen
wir eine Pflicht und Last.
Und das Leben kommt dem zu teuer,
der es zu billig auffasst.

Eva Strittmatter

16. Dezember 2020

Advent vielleicht

Das wäre schön auf etwas hoffen zu können
was das Leben lichter macht und leichter das Herz
das gebrochenen ängstliche
und dann den Mut haben die Türen weit aufzumachen
und die Ohren und die Augen und auch den Mund
nicht länger verschließen
das wäre schön
wenn am Horizont Schiffe auftauchten
eins nach dem anderen
beladen mit Hoffnungsbrot bis an den Rand
das mehr wird immer mehr
durch Teilen
das wäre schön
wenn Gott nicht aufhörte zu träumen in uns
vom vollen Leben einer Zukunft für alle
und wenn dann der Himmel aufreißen würde ganz plötzlich
neue Wege sich auftun hinter dem Horizont
das wäre schön

Carola Moosbach

14. Dezember 2020

Advent

Auf leisen Sohlen
ungeahnte Räume
neugierig betreten

Aufmerksam werden
für Unbeachtetes

Sehen üben

Aufwachen
als Staunende

Marina Gaenslen

12. Dezember 2020

Name

Es ist sehr gut denkbar, dass die
Herrlichkeit des Lebens um jeden
und immer in ihrer ganzen Fülle
bereit liegt, aber verhängt, in der
Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber
sie liegt dort, nicht feindselig,
nicht widerwillig, nicht taub.
Ruft man sie mit dem richtigen
Wort, beim richtigen Namen,
dann kommt sie.

Franz Kafka

Bild www.shutterstock.com

10. Dezember 2020

Der Dezember

Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund’

Ist viel gescheh’n. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt.. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr n ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
“Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.”

Erich Kästner

8. Dezember 2020

Die kleine Hexe im Winter

Es war Winter geworden. Um das Hexenhaus heulte der Schneesturm und rüttelte an den Fensterläden. Der kleine Hexe machte das wenig aus. Sie saß nun tagaus, tagein auf der Bank vor dem Kachelofen und wärmte sich den rücken. Ihre Füße steckten in dicken Filzpantoffeln. Von Zeit zu Zeit klatschte sie in die Hände – und jedes Mal, wenn sie klatschte, sprang eines der Holzscheite, die in der Kiste neben dem Ofen lagen, von selbst in das Feuerloch. Wenn sie aber gerade einmal Appetit auf Bratäpfel hatte, so brauchte sie sie nur mit den Fingern zu schnalzen. Da kamen sofort ein paar Äpfel aus der Vorratskammer gerollt und hüpften ins Bratrohr.

Ottfried Preussler

6. Dezember 2020Nikolaustag

Vom Schenken

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gabe wiegen,
sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
so dass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass dein Geschenk –
Du selber bist.

(Joachim Ringelnatz)

© Gustav Prucha

4. Dezember 2020

Barbaratag

Geh’ in den Garten am Barbaratag.
Gehe zum kahlen Kirschbaum und sag’:
Kurz ist der Tag, grau ist die Zeit,
der Winter beginnt, der Frühling ist weit.
Doch in drei Wochen, da wird es geschehen,
wir feiern ein Fest, wie der Frühling so schön!
Baum, einen Zweig, gib du mir von die,
ist er auch kahl, ich nehme ihn mit mir.
Und er wird blühen in selber Pracht,
mitten im Winter, in heiliger Nacht.

Josef Guggenmoos

2. Dezember 2020

Einladung an mich

Mach das Fenster weit auf,
lass die Gedanken ganz los.
Hör auf mit der Jagd,
komm zu Dir für diesen Moment.

Foto © Nikolaus Ruhl

05. Januar 2021

Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?

Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich
Die ersten Nächte schlaflos verbringen
Und darauf tagelang ängstlich und kleinlich
Ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen.

Dann – hoffentlich – aber laut lachen
Und endlich den lieben Gott abends leise
Bitten, doch wieder nach seiner Weise
Das neue Jahr göttlich selber zu machen.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

03. Januar 2021

Wächter der Nacht

Du spiegelst dich in Seen,
bist Wächter jeder Nacht.
Ziehst einsam deine Kreise,
bis dass der Tag erwacht.

Beleuchtest dunkle Pfade
mit deinem Silberschein,
den Werdegang der Meere
bestimmst du ganz allein.

Dein Glanz erlabt das Schweigen,
auch manch verlass’nes Herz,
Du gibst Geleit im Dunkeln,
nimmst Einsamen den Schmerz.

Sorgst auch für wache Nächte,
so mancher Schlaf sich quält,
pirsch nun für Stunden weiter
in eine and’re Welt.

Norbert von Tiggelen

Neujahr 01. Januar 2021

Mehr wollen, weniger müssen
mehr tun, weniger vermissen.
Ein Jahr kann viel sein
und weniger kann mehr sein.

Monika Minder

Silvester31. Dezember 2020

glücklich
die ihr betrunken sein könnt.
vom blau des himmels

möge der rauschtrank
nie mangeln
und süffig
ein leuchtvorrat
auch unter finstergewölk
aus schuh und angel
euch heben

trinkt blau
trinkt nicht kummer!

29. Dezember 2020

Winterzeit

Oh Winter – viel gescholt´ner Mann.
Dein Schritt betagt, dein Haupt grauweiß.
So schreitest frostig du voran -
bedeckst die Welt mit Schnee und Eis,
damit sie sich erholen kann.

Schenkst der Natur die starre Zeit,
in der sie im Verborg´nen schafft.
So ist im Frühjahr sie bereit
und präsentiert mit frischer Kraft
ihr herrlich buntes Blütenkleid.

Anita Menger 2009

27. Dezember 2020

Mal gefragt

Welchen Kosenamen würden Sie sich geben?

Können Sie beim Nichtstun nichts tun?

Haben Sie mehr Hoffnungen als Ängste oder mehr Ängste als Hoffnungen?

Für welches Problem wären Sie eine gute Lösung?

Ist das Heilmittel gegen Einsamkeit Alleinsein?

Sind Menschen, die besonders intensiv trauern, auch befähigt, Freude zu empfinden?

Warum weint man manchmal erst, wenn man getröstet wird?

Altern Ihre Gefühle oder wissen Sie noch genau, wie es sich anfühlte, zum ersten Mal verliebt zu sein?

Ist die Heiterkeitspflicht gegenüber der eigenen Mutter die unerfüllbarste aller Pflichten?

Sind Ihnen Menschen, deren Verhalten Sie an sich selbst erinnert, eher sympathisch oder unsympathisch?

1. Weihnachtsfeiertag25. Dezember 2020

Die Weihnachtsmaus

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar,
sogar für die Gelehrten,
Denn einmal nur im ganzen Jahr
Entdeckt man ihre Fährten

Mit Fallen oder Rattengift
Kann man die Maus nicht fangen,
Sie ist , was diesen Punkt betrifft,
Noch nie ins Garn gegangen.

Das ganze Jahr macht diese Maus
Den Menschen keine Plage,
Doch plötzlich aus dem Loch heraus
Kriecht sie am Weihnachtstage

Zum Beispiel war vom Festgebäck,
Das Mutter gut verborgen,
Mit einem Mal das Beste weg
Am ersten Weihnachtsmorgen.

Da sagte jeder rundheraus:
Ich habe nichts genommen,
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
Die über Nacht gekommen.

Ein andres Mal verschwand sogar
Das Marzipan vom Peter,
Was seltsam und erstaunlich war,
Denn niemand fand es später.

Der Christian rief rundheraus:
Ich hab es nicht genommen,
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
Die über Nacht gekommen.

Ein drittes Mal verschwand vom Baum
An dem die Kugeln hingen,
Ein Weihnachtsmann aus Eierschaum,
Nebst andren leckren Dingen.

Die Nelly sagte rundheraus:
Ich habe nichts genommen,
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
Die über Nacht gekommen.

Und Ernst und Hans und der Papa,
Die riefen: Welche Plage!
Die böse Maus ist wieder da,
Und just am Feiertage!

Nur Mutter sprach kein Klagewort,
Sie sagte unumwunden:
Sind erst die Süßigkeiten fort,
Ist auch die Maus verschwunden.

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg
Sobald der Baum geleert war,
Sobald das letzte Festgebäck
Gegessen und verzehrt war.

Sagt jemand nun, bei Ihm zu Haus -
Bei Fränzchen oder Lieschen -
Da gäb’ es keine Weihnachtsmaus
Dann zweifle ich ein bisschen!

Doch sag’ ich nichts, was jemand kränkt!
Das könnte Euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
Bleibt jedem überlassen!

James Krüss

23. Dezember 2020

Wie man vollkommene Weihnachten malt

Oben hin malt man
den Himmel, fein wie Froschhaar.
Unten gießt man etwas Finsternis,
angewärmt auf Zimmertemperatur
oder ein bißchen mehr.

In die Finsternis ritzt man
das allerschönste Bäumchen,
von dem auf der Welt
kein einziger Förster träumt.

Und das Bäumchen beginnt
ganz von allein zu leuchten,
und schon knistert das Bild
vor grüner Freude,
vor purpurner Hoffnung.

Ja, aber jetzt müsst ihr
unters Bäumchen
das Wichtigste legen,
das, was ihr euch am meisten wünscht,
das, was die Sänger beim Gitarrenklang
Glück heißen.

Die Katze hat es leicht,
die Katze legt eine Maus hin,
der Spatz legt sich
ein paar Halme fürs Nest hin,
und was legt ihr euch hin?

Ihr überlegt, überlegt,
bis der Tag graut,
und am Ende saugt ihr mit dem Löschblatt in der Finsternis
eine milchig weiße Stelle frei,
etwas wie Leere,
oder das Gegenteil von etwas,
wie Nichtschmerz,
wie Nichtangst,
wie Nichtsorge,

eine milchig weiße Stelle,
und ihr geht schlafen
und sagt euch,
ja , ich kann es jetzt,
ja, nächstes Mal schon
male ich
die besten Weihnachten,
die es je gab.

Miroslav Holub

21. Dezember 2020

Wunschzettel

Einen Spaziergang im Wald und nachher Apfelstrudel,
gute Schutzengel, auch für euch,
den Mut zu neuen Ufern,
warme Füße und einen tiefen Schlaf.
Süße Träume und kühne Träume,
Post von Dir, ein Meer von Zärtlichkeiten,
Frieden in uns, um uns herum
rauschende Feste
und ein Gläschen Zuversicht,
um mit der Zukunft anzustoßen.

19. Dezember 2020

Weihnachtslied

Alle Jahre wieder
kommt der Weihnachtsmann,
bietet uns in Warenhäusern
Farbprospekte an.

Alle Jahre wieder
kommt das Weihnachtsgeld.
Wenn es da ist, sind wir selig,
ganz von Glanz erhellt.

Alle Jahre wieder
kommt das Weihnachtsfest,
und wir sind zwei Kilo schwerer,
wenn es uns verlässt.

Georg Bydlinski

17. Dezember 2020

An Dezembertagen

An Dezembertagen kann es sein
das es abends freundlich klopft
das Besuch kommt unverhofft
dass dir jemand Himmelstorte backt
und die dicksten Nüsse knackt
dass er dir ein Lied mitbringt
und von seine Träumen singt
An Dezembertagen kann es sein
dass Menschen plötzlich Flügel tragen
und nach Herzenswünschen fragen
Riesen werden sanft und klein
lade alle Zwerge ein
Dezember müsst es immer sein.

Anne Steinwart

15. Dezember 2020

rudern zwei
ein boot,
der eine
kundig der sterne,
der andre
kundig der stürme,
wird der eine
führn durch die sterne,
wird der andre
führn durch die stürme,
und am ende, ganz am ende
wird das meer in der erinnerung
blau sein.

Reiner Kunze

13. Dezember 20203. Advent

Nachtgebet

Leg deine Ängste nieder.
Für eine Nacht nur gib den Sternen was, dich sorgt.
Es kehrt die Ruhe wieder,
denn alle Dinge, die wir halten, sind geborgt.
Du darfst die Augen schließen,
du darfst vergessen, was dich eben noch gebeugt.
Das Blau der Nacht lass fließen,
das eine namenlose Liebe treu bezeugt.
Du bist von ihr umgeben,
lass nur den Dingen ihren Lauf und schlafe ein.
Du bist beschenkt mit Leben.
Ein jeder Morgen lockt dich zärtlich, Licht zu sein.

Giannina Wedde

11. Dezember 2020

Wann fängt Weihnachten an?

Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt,
wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt,
wenn der Laute mal bei dem Stummen verweilt,
und begreift, was der Stumme ihm sagen will,
wenn der Leise laut wird und der Laute still,
wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß,
wenn mitten im Dunkel ein winziges Licht
Geborgenheit, helles Leben verspricht,
und du zögerst nicht, sondern du gehst,
so wie du bist, darauf zu,
dann, ja dann
fängt Weihnachten an.

Rolf Krenzer

9. Dezember 2020

Ankündigung

An einem der Tage, die kommen,
wird etwas geschehen, das du nicht kennst,
noch nicht,
und auch nicht verstehst,
etwas, von dem du nur träumst,
was du erwartest, so wie ein Wunder.
Es wird etwas sein, auf das du nicht wartest,
nein, das du suchst,
und weißt auch nicht zu sagen, wonach,
und du suchst es auch nicht,
sondern findest es, und nicht einmal das,
es findet ja dich, dieses Lächeln,
von dem du gefunden wirst,
an einem der Tage, die kommen.

Lothar Zenetti

7. Dezember 2020

Vor einem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille
Und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
Geht ein in mein Gedicht.

Der See und die Libelle.
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.

Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne.
Was immer es auch sei,

Das über uns die Räume
Aufreißt und riesig macht
Und fällt in uns’re Träume
In einer finst’ren Nacht.

Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter.
Und so vergeh’ ich nicht.

Eva Strittmatter

Foto Omas-haushaltstipps.com

5. Dezember 2020

Dezemberzauber

Lichterhelle Tannenbäume,
Schneesterne, Dezemberträume,
Mandelkekse, Honigkuchen,
nach geheimen Päckchen suchen.
Silberheller Mondenschein
strahlt des nachts ins Zimmer rein.
Sternenfunkelglitzerglanz,
Himmelsreigen, Engelstanz,
Märchenzauber, Liederreigen,
Kinderglück und Freude zeigen,
Zaubermärchenweiße Pracht,
Schlittenfahrt und Schneeballschlacht.
Alle Seen sind zugefroren,
kalt die Nasen, rot die Ohren.
Spiel und Spaß und Fröhlichkeit,
das ist die Dezemberzeit.

Elke Bräunling

3. Dezember 2020

Der Frost haucht zarte Häkelspitzen
perlmuttergrau ans Scheibenglas.
Da blüh’n bis an die Fensterritzen
Eisblumen, Sterne, Farn und Gras.
Kristalle schaukeln von den Bäumen,
alle Vögel sind entfloh’n.
Leis fällt der Schnee….
In unser’n Träumen
weihnachtet es seit gestern schon.

Mascha Kaléko (1907 – 1975)

1. Dezember 2020

Schneewinter kommt bald

Kalt, kalt, kalt,
draußen ist’s so kalt.
Nieselregen, kalte Hände,
Schnupfennase, Nebelwände.
Kalt, kalt, kalt,
Schneewinter kommt bald.
Fallen dann die ersten Flocken,
die uns rasch nach draußen locken,
Ja, hurra,
dann ist der Winter da!

Elke Bräunling